Folge 78 - Der Facebook-Post, der alles verändert
Shownotes
Gudrun Kartnig & Josef Anichhofer www.kartnig-consulting.com www.bürgermeistercoach.at
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00:00:06: Der Bürgermeister-Podcast, der Podcast für Bürgereisterinnen und Bürgemeistern – und für alle die es werden wollen.
00:00:14: Willkommen zum Bürgermester-PodCast im Ort an dem wir all jene Themen beleuchten, die unsere Bürgerveisterinnen oder Bürg gemeistert bewegen!
00:00:24: Wir sind Gudrun Karpnik...
00:00:26: ...und Josef Anhichhofer.
00:00:28: Zusammen
00:00:28: sind wir die Bürgermeistercoaches.
00:00:31: Wir sprechen mit Ihnen, diskutieren mit Experten aus der Kommunalpolitik und teilen Einsichten und Erfahrungen die Bürgermeister in ihrer täglichen Arbeit weiterbringen.
00:01:13: Es kann an Treffen früher oder später, nämlich der digitale Shitstorm.
00:01:19: Da wird da Foto gepostet, eine Straßenbaustelle angekündigt oder eine Entscheidung des Gemeinderates kommuniziert.
00:01:26: Wenige Stunden später explodieren dann die Kommentare auf Facebook und Co.
00:01:32: Die Diskussion wandert im WhatsApp-Gruppen, die regionale Presse greift das Thema auf um.
00:01:37: plötzlich hat man das Gefühl die ganze Gemeinde spricht nur noch darüber!
00:01:43: Ja, lieber Josef!
00:01:44: Du begleitest seit vielen Jahren Bürgermeister.
00:01:46: Rinnon und Bürgemeister als Coach.
00:01:49: Die meisten haben keine Angst vor einer Gemeinderatssitzung aber viele haben Respekt vor Facebook.
00:01:57: Warum?
00:02:00: Die sozialen Medien, die Online-Medien etwas völlig Neues geschaffen haben.
00:02:05: Sie sind immer so neu aber sie haben was neues geschaffen.
00:02:08: Früher hat der Bürgermeister Kritik am Stammtisch im Gosthaus auf der Straße bei Bürgerversammlungen bekommen und heute vor einem begrenzten Publikum und da wollte ich persönlich immer das erwidern oder damit umgehen können.
00:02:23: Heute passiert es öffentlich rund um die Uhr und vor einem breiteren Publikums Und genau das löst den Druck aus.
00:02:30: Viele Bürgermeister erleben noch das Gefühl, wenn ich jetzt nichts mache wird es schlimmer und das ist am meisten schon oft der erste Denkfehler.
00:02:38: Wann spricht man überhaupt von einem Shitstorm?
00:02:42: Weil nicht jede kritische Wortmeldung muss ja gleich eine Krise auslösen.
00:02:46: Nein, eh nicht in der Regel die wenigsten!
00:02:49: Aber Kritik gehört dann mal zur Demokratie.
00:02:52: Das muss man ernst nehmen, das ist auch gut so und ein Shitstorm beginnt... wird, wo sich Kritik rasch vervielfacht, emotionalisiert und versöbstständigt.
00:03:02: Und das Spannende dabei ist ja dass die Sachfrage dann oft sehr schnell auf die Seiten gestellt wird und plötzlich geht es gar nicht einmal um die Parkregelung oder um das Bauprojekt sondern plötzlich geht's um Vertrauen, um Fairness und manchmal auch um persönliche Angriff auf den Entscheidungsträger, dem Bürgermeister oder auf wen er ich mal.
00:03:23: Ich weiß ja gar nicht, ob der Begriff dann Wutbürger noch fallen wird in dem weiteren Interview.
00:03:28: Aber viele Menschen werden das sicher auch nur zu ihrem Frustern auf diesen Wege rauszulassen.
00:03:35: Aber du hast dir sicher ein konkretes Beispiel?
00:03:38: Wie immer, liebe Gudrun und nichts Unbekannte.
00:03:41: Nichts Unbekanntes, weil es gerade nicht unlängst in einer Gemeinde war.
00:03:49: Die Gemeinde muss aus Sicherheitsgründen Bäume fällen!
00:03:56: Die Verwaltung hat das Gutachten eingeholt, die Entscheidung ist fachlich begründet.
00:03:59: Alles ist sauber vorbereitet und am Montag werden die Bäume gefällt.
00:04:04: Am Dienstag gibt es online Fotos und darunter steht die Gemeinde zerstört ohne Not unsere wunderschöne Allee!
00:04:15: Und binnen weniger Stunden gibt es halt mehrere und unzählige Kommentare, die Menschen teilen die Bilder.
00:04:21: Und alle schreiben die Gemeinde interessiert sich nicht für die Umwelt oder andere Behaupten hier wurde.
00:04:25: Da war es ohne Eid ist schon alles beschlossen worden und mit uns hat niemand geredet.
00:04:30: So dann passiert was Interessantes.
00:04:33: Die meisten Kommentare diskutieren wir über die Verkehrssicherheit, das eigentlich der Ausgangspunkt Von der Geschichte, wo sie diskutieren über Akfüll und Identität.
00:04:43: Über Heimat von mir aus.
00:04:45: Und deswegen oder über Beteiligung.
00:04:48: Deswegen scheitern viele Gemeinden unter die Bürgermeister oft mit den reinen Sachargumenten.
00:04:55: Weil so viel Emotionalität dabei ist... Ja!
00:04:59: Das hören die Leute dann einfach gar nicht.
00:05:00: Also du kannst die besten Argumente vorbringen das wird dann scheinend innen mal gehört.
00:05:05: Und da denken sich eben viele Bürgermeister dann oder in so einem Fall ein Bürgemeister, dann erkläre halt einfach die Fakten.
00:05:12: Aber das ist es ja eben.
00:05:13: Genau und damit bin ich dann mitten in der Krise drin und das haben wir, ich muss zuerst die Emotionalität aufkreisen und natürlich braucht's Fakte.
00:05:21: Ich muss ja das irgendwie erklären können aber wir hören die Fakten erst an wenn ich mich ernst genommen fühle und wenn ich aufrechter Teil einer Diskussion bin Und wenn ich mitten im Schietster nur erkläre, warum ich Recht habe als Bürgermeister und warum das für mich auch fachlich begründet ist.
00:05:41: Dann fühlen sich viele noch weniger verstanden.
00:05:44: Ich sage meinen Bürgemeisterinnen und Bürgmeistern die mit solchen Themen zu mir kommen und auf nicht so erst die Entscheidung verteidigen.
00:05:54: Das werden wir machen aber später sondern zuerst die Betroffenheit anerkennen.
00:06:01: Wie können Sie das konkret aussehen?
00:06:03: Ich habe da über die Zeit so drei Stufenregeln entwickelt.
00:06:07: und erstens Verständnis zeigen.
00:06:09: Wir verstärken, dass viele Bürgerinnen und Bürgern emotional auf die Fehlung der Bäume reagieren – weil es ein Thema ist!
00:06:18: Also erstens verständniszweitens dann die Fakten transparent machen.
00:06:23: Die Bäume wurden von Fachleuten begutachten unter Sicherheitsrisiko wegen Vollness und Co.
00:06:29: eingestuft.
00:06:31: und drittens an Ausblick geben.
00:06:33: Die Gemeinde wird an der gleichen Stelle beispielsweise neue Bäume setzen und die Bevölkerung darüber laufend informieren.
00:06:43: So entsteht Orientierung, Wertschätzen Verständnis zeigen Fakten transparent machen und Orientierung geben.
00:06:52: Wie sind die nächsten Schritte?
00:06:56: Und Frage die in dem Zusammenhang ja auch immer wieder aufbaut ist muss man eigentlich auf jeden Kommentar reagieren?
00:07:05: Nein.
00:07:07: Das wäre oft gar nicht möglich, weil und viele Bürgermeister oder in der Gemeindeverwaltung oder in den Presseobteilungen verlieren hier auch unglaublich viel Energie.
00:07:20: Und es gibt eine wichtige Unterscheidung.
00:07:22: Es gibt online oder generell im Leben Menschen die suchen Information, ja?
00:07:28: Die wollen informiert werden.
00:07:29: Es sind Menschen, die suchen den Streit, den Konflikt Und die erste Gruppe, das soll man erst nehmen und die zweite Gruppe wird man nicht darüber zeigen.
00:07:38: Wenn jemand zum fünftmal die gleiche Behauptung schreibt oder nur provozieren möchte dann führt er sich in eine Sackgasse und da muss ich keine ewige Brieffreundschaft draus entwickeln.
00:07:49: und wie gesagt der Unterscheidung ist die Herausforderung.
00:07:54: wo kann ich Informationen und Orientierung geben?
00:07:57: Wo geht es rein um den Konflikt?
00:08:00: Das erkennt man schon anhand des Wordings.
00:08:02: Ja, ja.
00:08:03: Also das heißt dort wo man genau merkt da wird Streit gesucht dann gar nicht reagieren und immer Energie geben oder?
00:08:10: Genau
00:08:11: ganz genau.
00:08:11: Ganz genau.
00:08:12: Ich
00:08:13: meine auch so im Business kommt es ja immer wieder vor und da ist auch immer der Tipp zum ersten Mal sich zu freuen weil da sagt man oft yeah!
00:08:21: Der erste Hater weil dann hast du ja auch was auf der anderen Seite.
00:08:24: dann kann man ja sagen okay auch was richtig macht wenn man dann so anneckt Ja und gar nicht dem ganzen Energie geben.
00:08:31: Aber
00:08:32: sehr wohl, wenn Informationsbedarf noch besteht, wäre es sehr wohl dann nach der
00:08:35: Orientierung.
00:08:37: Das ist das Zauberwort!
00:08:39: Hast du dafür ein Beispiel?
00:08:42: Nehmen wir die klassische Straßensperre wo es viele andere Energien gibt, wo eine Baustelle ist, wo was saniert wird... Die Sperre dauert drei Monate.
00:08:54: Das ist natürlich für alle Beteiligten eine Herausforderung.
00:08:58: Und online entstehen Diskussionen, der Bürgermeister beginnt jeden einzelnen Kommentar zu beantworten.
00:09:04: Meistens macht er das am Abend oder wie immer vor dem Schlafen gehen, am Wochenende teilweise bis Mitte.
00:09:09: Nach drei Wochen ist der fertig und die Diskussion ist aber nicht beendet dadurch.
00:09:17: Bei unserer Bürgermester macht es anders.
00:09:19: Der veröffentlicht einmal pro Woche, am Freitag oder am Montag oder egal wann.
00:09:23: Einmal pro Woche ein kurzes Update.
00:09:25: Das ist bis jetzt passiert und das passiert noch.
00:09:29: Und so schaut der Zeitplan aus.
00:09:31: Und das Ergebnis?
00:09:32: Die Gerüchte nehmen ab!
00:09:34: Ich habe gehört, dass es Annahmen usw.
00:09:37: Und Menschen fühlen sich einfach informiert an Wann klar ist, daß es ein wöchentliches oder ein zweiewöcheliches aber ein regelmäßig und eher kürzeres Update immer gibt zur Baustelle Und je noch Größe oder Umfang muss man die Zeitabstände anders einplanen.
00:09:56: Oder nehmen Gerüchte ab, Menschen fühlen sich informiert und der Bürgermeister behält auch seine Energie.
00:10:05: Viele Bürgemeister berichten ja, dass Kritik irgendwann persönlich wird.
00:10:10: Wie geht man damit um?
00:10:13: Zuerst muss man akzeptieren wer in der Öffentlichkeit steht und führt und Verantwortung übernimmt.
00:10:20: Und das ist ein Bürgermeister, der Bürgermesterin, der wird einmal kritisiert.
00:10:24: Weil einen anderen kann ich auch nicht kritisieren.
00:10:26: Genau!
00:10:27: Das gehört dann mal zum Amt, genau Berufsrisiko, das gehört da mal zu dem Amt.
00:10:31: Aber eine persönliche Beleidigung ist ja mal was anderes, gell?
00:10:35: Und dort sollte man aus meiner Sicht sehr konsequent sein, nicht emotional zurück schlagen, nicht in den Schlagryptosch einsteigen aber einfach klar regeln kommunizieren.
00:10:45: Sachliche Kritik ja und gerne Beleidigungen Sanogo.
00:10:50: Und Menschen orientieren sich auch... Damit bin ich ja Vorbild als Bürgermeister, weil Menschen orientiert sich an der Haltung der Gemeinde.
00:10:56: wiegehe mit Themen um und mit persönlichen Beleitigungen haben wir alle grundsätzliche Themen, weil die wollen wir nicht haben.
00:11:05: Die sprechen wir auch nicht aus.
00:11:06: aber ich will bei sachlicher Kritik gerne informiert werden.
00:11:10: Genau!
00:11:11: Du und Wie kann man sich auf solche Situationen vorbereiten?
00:11:14: Was empfiehlst du da?
00:11:16: Da kann man sich gut vorbereiten, nur die wenigsten tun es sich ja in der Praxis.
00:11:21: Eigentlich beginnt die Krisenkommunikation oder diese Information, das beginnte schon vor dem Shitstorm normalerweise und deswegen empfehle jeder Gemeinde drei Sachen.
00:11:35: erstens ein Kommunikationsplan für kritische Projekte hat fast niemand Das sage ich ja ganz offen.
00:11:42: Aber im Wahrheit brauche ich, wenn es eine größere Baustelle, einen größeren Veränderungsprozess gibt, brauche muss ich mir vorher über die Kommunikation davor während und danach Gedanken machen.
00:11:55: Zweitens wer ist wofür verantwortlich?
00:11:58: Wer informiert, ist das immer der Bürgermeister?
00:12:02: Ist es wer anders?
00:12:05: Über welche Kanäle?
00:12:06: wie informieren wir?
00:12:07: Da mal Zettel und Flyer austragen, passiert das online über die Gemeindezeitung wie auch immer?
00:12:13: ja über welche Kanäle.
00:12:15: Und drittens frühzeitig einbinden!
00:12:18: Wenn ich nicht erst wenn die Baustelle beginnt fange an zum kommunizieren sondern natürlich schon davor und versuche natürlich die Betroffenen damit einzubinden weil die meisten Themen Probleme der Krise entstehen denn nicht durch die Entscheidung selber sondern weil die Leute das Gefühl haben zu spät oder gar nicht informiert zu sein.
00:12:40: Genau, also Information als ganz wesentlicher Hebel und gleichzeitig auch rechtzeitig draufschauen, dass man es hat wenn man es braucht.
00:12:47: Das ist ein Sprich-Kommunikationsplan das immer wieder spannend zu beobachten dass die Menschen noch gar nicht hinschauen wollen auf das, was kommen könnte an Problemen.
00:12:58: Also dass man da wirklich hinführt und da kann ein Kommunikationsplan ja wirklich sehr hilfreich sein.
00:13:03: Dass man gewappnet ist für den
00:13:05: Fall... Auf
00:13:06: der gibt Orientierung!
00:13:07: Genau.
00:13:08: Wenn du jetzt diese Folge auf einen Satz reduzieren müsstest, welche wäre das?
00:13:13: Du stößt Fragen.
00:13:16: Es geht beim Shitstorm meistens weniger um die Information sondern
00:13:20: um
00:13:22: oder die mangelnde Kommunikation.
00:13:24: Ich glaube, so kennt man das irgendwie zusammenfassend.
00:13:27: Wer früh genug informiert, transparent erklärt und die Menschen ernst nimmt, dann nehme ich einfach viel vorweg und verhindere Konflikte bevor sie überhaupt entstehen.
00:13:40: Ja, na super!
00:13:41: Lieber Josef, dann sage ich mal vielen Dank.
00:13:44: was können Sie heute mitnehmen?
00:13:45: Liebe Zuhörer an drei Punkten.
00:13:47: erstens nicht jede Kritik ist ein Shitstorm.
00:13:51: Zweitens, in Krisen brauchen Menschen zuerst Verständnis und dann Informationen wobei das ja eng zusammenhängt.
00:13:59: Und drittens gute Krisenkommunikation beginnt lange vor der Krise.
00:14:05: Genau!
00:14:07: Als Abschlussbotschaft vielleicht lassen Sie sich liebe Bürgermeisterinnen und liebe Bürgermeister oft nicht von der Lautstärke der sozialen Medien täuschen Weil es ist oft nur ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung aktiv.
00:14:21: Und das gibt eine stille, breite Maße, die vielleicht von dem gar nichts mitkriegt.
00:14:28: und Führen- und Verantwortungübernehmen bedeutet gerade in solchen Situationen ruhig bleiben, soft schwer aber klar und transparent bleiben und einfach den Weg vorzeichnen und Orientierung geben.
00:14:42: Genau, super!
00:14:44: Ja dann sage ich mal Danke Lieber Josef und liebe Zuhörer, danke fürs Zuhören.
00:14:50: Wenn Ihnen diese Folge gefallen hat dann abonnieren Sie gerne unseren Bürgermeister-Podcast und empfehlen Sie ihn gerne weiter denn wir wollen mit unserem Bürgermaster-Podkast ja Nutzen schaffen.
00:15:01: und je mehr Bürgemeister erinnern und Bürgereister unsern Podcast hören das da mehr Nutzungsstifte da einfach.
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